Frauen im Gerichtsgefängnis Kantstraße während der Nazi-Zeit

Karl Dürr hat diesen Ort vor Jahren entdeckt und beschäftigt sich seit dem mit der Geschichte dieses Hauses und der Frauen , die hier in der NS-Zeit inhaftiert waren. Unter anderem war hier auch viele Frauen, die dem Widerstandskreis der Roten Kapelle zugerechnet wurden.

Der Name „Rote Kapelle“ war ein von der Gestapo erfundener Fahndungsbegriff. Die Gestapo hatte ein Interesse daran, die Berliner Gruppe als ein von Moskau gesteuerte Spionagezentrale darzustellen. Die Verleumdung war so gut geplant, daß sie heute noch wirksam ist. In Wahrheit, war es eine lose Gruppierung mit unterschiedlichsten Weltanschauungen und politischen Zugehörigkeiten. Was sie vereinigte, war ihr Antifaschismus und ihre humanen Leitbilder. Eine Besonderheit war der hohe Anteil von Frauen, weit über 50 Frauen und 100 Männer werden der Gruppe zugerechnet. 20 Frauen waren inder Kanstraße inhaftiert. Insgesamt wurden 19 Frauen in Plötzensee mit dem Fallbeil getötet.

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Nazizeit: Gerichtsgefängnis Berlin-Charlottenburg, Kantstraße 79

Das Gefängnis war zwischen 1933 und 1945 mit Regimegegnern, ab 1939 war es ausschließlich mit Frauen belegt. Als die Frauen der Roten Kapelle im Herbst 1942 verhaftet wurden, durchliefen sie viele Aufenthaltsorte, das Polizeipräsidium Alex, das Frauengefängnis Barnimstr., die Gestapozentrale Prinz-Albrecht-Straße und die Untersuchungshaftanstalt Moabit, dazwischen taucht immer wieder die Kantstraße auf. Karl Dürr hat in alten Unterlagen geblättert, um mehr über das Gefängnis und seiner Insassen zu erfahren. Die Besonderheit des Ortes bestand ja darin, daß hier nicht die Gestapo, sondern der Generalstaatsanwalt des Kammergerichtes zuständig war. In den Jahren 1942-45 wurde das Gefängnis von einer Fürsorgerin der Gefängnisvorsteherin Änna Wieder geleitet, die dafür bekannt war, daß sie die Frauen menschlich behandelte und Vergünstigungen gewährte.
Nach der Verurteilung durch das Reichskriegsgericht nach wochenlangen Verhören. Schikanen und Verunsicherungen wurde in Teil der Frauen, die der Roten Kapelle zugeordnet wurden, in die Kantstr. eingeliefert:

  • Libertas Schulze-Boysen *
  • Greta Kuckhoff, Elfriede Paul *
  • Annie Krauss *
  • Lotte Schleif
  • Martha Schulze
  • Antonie Graudenz
  • Rose Schlösinger
  • Maria Terwiel *
  • Marta Husemann
  • Hannelore Thiel
  • Erika von Brockdorf
  • Oda Schottmüller *
  • Cato Bontjes van Beek
  • Mildred Harnack *
  • Eva Rittmeister
  • Joy Weisenborn
  • Ilse Schaeffer
  • Eva-Maria Buch*
  • Ursula Goetze*

Das hinter den Namen stehende * Symbol bedeutet, daß die betreffende Frau später in Plötzensee umgebracht wurde:
Vergleicht man die Gerichtsurteile miteinander, so lautet die häufigste Begründung:
„Beilhilfe zur Vorbereitung des hochverräterischen Unternehmens“ die zusätzliche Formulierung „wegen Feindbegünstigung“ hatte in der Regel die Todesstrafe zu Folge. Die Nazis, bis hinauf zu Hitler waren nach der Aufdeckung der Roten Kapelle auf das äußerste beunruhigt über das Ausmaß der Widerstandes. Es war Hitler selber, der den Begriff der Feindbegünstigung geschaffen hat. Auffällig ist, daß das Gericht fast alle Frauen mit Zuchthaus bestrafte, Hitler jedoch die Urteile aufhob um einen anderen Senat zu beauftragen, der dann die erwünschte Todesstrafe aussprach. Die ganze Angelegenheit war von Anfang an zur „Geheimen Kommandosache“ erklärt worden, so daß jeder, der darüber sprach, sein Leben riskierte. Wir riskieren heute lediglich etwas an Geduld und Aufmerksamkeit wenn wir uns dieser mutigen Frauen erinnern, aber vielleicht läß sich da noch ein wenig mehr tun.

Weitere Informationen finden Sie auf der offiziellen Homepage von:
>> Gerichtsgefängnis Kantstrasse 19

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